Jetzt müss’ ma mal zam rucka, ähh zurecht rucka.
Angenommen, es wären Wahlen. Angenommen, die stärkste Kraft holt sich 43,4% der Wählerstimmen, weit mehr als doppelt so viele, wie die zweitstärkste Partei, die gerade mal auf 18,6% Zuspruch kommt. Angenommen, drei weitere Parteien packen die 5%-Hürde, die nötig ist, um in das Parlament einzuziehen, von dessen angenommener Wahl wir gerade reden. Angenommen, der aus den Wahlen als stärkste hervorgegangene Partei (zur Erinnerung: die mit den 43,4% der Stimmen) reicht eine der drei kleinen Parteien um eine mehrheitsfähige Koalition zu bilden. Dann sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass beim Wahlsieger und eventuell auch beim auserkorenen Koalitionspartner die Sektkorken knallen, oder?
Nicht so im weiß-blauen Süd-Osten unserer Republik: Da rollen beim Wahlsieger (nennen wir ihn mal die Schwarzen) reihenweise die Köpfe und da fühlt sich der mehr um das Doppelte übertroffene Zweite als der große Sieger (nennen wir ihn mal die Roten), obwohl es für die Roten das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten ist.
Nun ja. Jetzt werden einige sagen, dass die Schwarzen (nennen wir sie mal CSU) sage und schreibe 17,3 Prozentpunkte im Vergleich zu den letzten (Landtags-) Wahlen verloren haben, während die Roten (nennen wir sie mal SPD) gerade einmal 1,0 Prozentpunkte abgeben mussten (der ein oder andere wird jetzt sagen, wo’s nix zu verlieren gibt, kann man auch nix verlieren). Wenn man sich aber mal ansieht, wem die Wähler statt der CSU ihre Stimme gegeben haben, stellt man sehr schnell fest, dass es sich hierbei keineswegs um den großen Richtungswechsel handelt, den viele jetzt sehen. 6,2 Prozentpunkte gingen nämlich an die Freien Wähler, während die FDP sich über Zuwächse von 5,4 Prozentpunkten freuen darf. Beides eher konservative oder mitte-rechts orientierte oder beides Parteien. Also näher an den Christsozialen, als an den Sozialdemokraten. Letzteren ordnet man ja eher die Grünen und die Linken zu. Die konnten aber gerade einmal Steigerungen von 1,7 beziehungsweise 4,3 Prozentpunkten einheimsen.
Was lernen wir daraus: Die Wähler in Bayern wollten wohl eher die CSU abstrafen als einen großen Richtungswechsel initiieren. Mehr ein Denkzettel als ein großer Linksruck war die Intention des Stimmberechtigten. Und: In Bayern läuft halt doch einiges anders als im Rest des Landes. Klingt komisch, ist aber so.
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